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07.01.2015

10. Jahrestag des Todes Oury Jallohs

Vor zehn Jahren verbrannte der aus Sierra Leone geflüchtete Schwarze Mann Oury Jalloh in einer Dessauer Gefängniszelle. Die Aufklärungsversuche, wie sich ein solches Ereignis in Polizeigewahrsam abspielen konnte, bleiben bis heute ergebnislos und führen zu erheblichen Zweifeln an Jallohs vermeintlichem Freitod.

Die Beteiligung der Polizei an dem Hergang ist bis heute nicht vollständig geklärt, ein möglicherweise rassistisches Tatmotiv wird nicht hinreichend in Betracht gezogen.
Wir schließen uns den Forderungen zahlreicher Initiativen an, die genauen Tatumstände aufzuklären, die Täter_innen zur Verantwortung zu ziehen und auch dadurch ein Zeichen zu setzen, dass rassistische Gewalt in Deutschland nicht toleriert wird. Auch vor dem Hintergrund der NSU Mordserie und der Ermittlungsfehler des Verfassungsschutzes ist es uns ein Anliegen, Rassismus konsequent aufzudecken und entgegenzutreten. Rassismus war und ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und muss als solches auch angegangen werden.

Wir fordern eine zügige und vollständige Aufklärung der Todesumstände von Oury Jalloh. Wir erwarten von der deutschen Justiz selbstständig in alle Richtungen zu ermitteln und es nicht Bürger_inneninitiativen zu überlassen, Kosten von Brandgutachten oder zusätzlichen Obduktionen zu tragen. Im Übrigen ist es für Angehörige und Freund_innen schmerzhaft und belastend für die Aufklärung der Todesumstände selbst aktiv werden zu müssen.

Wir gedenken Oury Jalloh und möchten den Angehörigen, Freund_innen und Bekannten unser Beileid aussprechen und wünschen ihnen viel Kraft und Hoffnung.

Amnesty International stellte bereits 2010 in dem Bericht "Täter unbekannt - Mangelnde Aufklärung von mutmaßlichen Misshandlungen durch die Polizei in Deutschland" fest:
"Amnesty International hält es für sehr beunruhigend, dass Oury Jalloh im fixierten Zustand unbeaufsichtigt in der Zelle gelassen wurde und dass die Polizei es versäumte, seine Sicherheit und sein Wohlergehen regelmäßig zu überprüfen, und mehrfach den Alarm des Rauchmelders ignorierte, der darauf aufmerksam machte, dass der Gefangene in Gefahr schwebte. Sorge bereitet der Organisation darüber hinaus die Tatsache, dass bei der Behandlung Oury Jallohs durch die Polizei auch Elemente rassistischer Diskriminierung eine Rolle gespielt haben könnten."
Den vollständige Bericht findet Ihr hier http://www.amnestypolizei.de/kampagne/bericht.html